Anreise

Die Reise von Heidelberg nach Tumbes ist sehr entspannend und ohne Komplikationen abgelaufen. Naja ohne Komplikationen? Das kommt schon darauf an, was man als eine Komplikation definiert. Denn verständlicher Weise wurde mir beim Umsteigen in Caracas ein wertvoller und äußerst gefährlicher Gegenstand von der Flughafenkontrolle abgenommen. Da nämlich in meiner Tasche weder Drogen, Schusswaffen oder Sonstiges dieser Kategorie gefunden wurden, musste dann eben mein halb aufgebrauchtes Klebband herhalten.

In Lima angekommen, wurden wir gleich mit der dortigen Kultur bekannt gemacht. Statt uns acht wurden nämlich nur zwei Personen erwartet, unter anderem ich, der Herr „Hans Stachle“. Doch das war kein Problem, denn nach etwa 30 Minuten konnte doch eine Unterkunft für uns aufgetrieben werden, obgleich noch nicht sicher war, ob auch wirklich alle dort Platz finden würden. Vier von uns sollten zuerst fahren und als nette Jungs ließen wir natürlich den Mädchen den Vortritt. Das hätten wir uns im Nachhinein besser zweimal überlegt, denn statt in 15 Minuten kam der AFS-Mitarbeiter erst nach 90 Minuten zurück. Nachdem wir jetzt also 26 Stunden wach waren, stand uns noch eine etwa 40 minütige Autofahrt zur Jugendherberge bevor, welche inzwischen zugesagt hatte, uns alle aufzunehmen. Wir fuhren in einem Taxi, nein was sage ich, die Bezeichnung „auseinanderfallendes Vehikel mit Fahrer“ trifft es viel besser. Eingestiegen, war ich zunächst erleichtert. Es gab Sicherheitsgurte. Doch diese Erleichterung hielt nicht lange an, denn nachdem wir zum ersten Mal fast einen Unfall gebaut hätten, bemerkte ich, dass es keine Nackenstützen gab. Nach dem zweiten „Fastunfall“ linste ich verstohlen auf den Tacho um herauszufinden, wie schnell wir überhaupt fuhren. Das war eine weitere Herausforderung, denn der Fahrer fuhr mitten in der Nacht ohne Licht, sodass das Armaturenbrett nicht beleuchtet war. Ich glaube es waren etwa 60 km/h.

Nachdem wir noch einige Male fast mit einem anderen Auto zusammengestoßen wären, kamen wir dann in der Herberge an, die in einem eher reicheren Viertel stand. Für unsere Verhältnisse ist das immer noch relativ arm. Das konnte man zum Beispiel am Bad erkennen. Das Waschbecken war halb aus der Wand gebrochen und alles machte einen Eindruck, den viele Europäer als unzumutbar bezeichnen würden. Es roch intensiv nach Chlor, was daher rührt, dass dieses zur Keimabtötung ins Wasser gegeben wird, das man lieber nicht trinkt. Auch Klopapier wird hier nicht mitruntergespült, sondern in den Mülleimer geworfen, da hier die Abflussrohre viel dünner sind, als bei uns. Geduscht fiel ich dann sogleich in mein Bett und konnte nach all den Strapazen sehr gut einschlafen, auch wenn ich Angst haben musste nicht aus dem Hochbett zu fallen, da es keine Holzbretter gab, wie in Deutschland, die das verhindern sollen.

Am nächsten Tag wurden noch ein paar organisatorische Dinge geklärt, bis es dann im Bus nach Tumbes weiter ging. Ohne zu übertreiben kann ich sagen, dass die hiesigen Reisebusse wohl die gemütlichsten Transportmittel sind, die ich kenne. Die Sitze sind so gut gepolstert, dass man mühelos innerhalb weniger Minuten einschlafen kann. Dieser Effekt wird dadurch verstärkt, dass man zusätzlich eine Fußablage besitzt und dass sich die Sitze sehr weit nach hinten schieben lässt, so dass man fast wie in einem Bett liegen kann. Auf diese Weise wurde die 22-stündige Busfahrt zu einer äußerst gemütlichen Unternehmung, obwohl wir etwa zwei Stunden dazu benötigten, einen kaputten Reifen zu wechseln.

In Tumbes angekommen, wurde ich sofort herzlich von meiner Gastfamilie und den städtischen AFS-Mitarbeitern empfangen. Sogleich fuhren wir weiter zum Haus meiner Gastfamilie, das mitten im Zentrum von Tumbes liegt.

An dieser Stelle endet das erste Kapitel meiner Erzählung. Auch wenn es an manchen Stellen den Anschein macht, dass es hier viel auszusetzen gibt, sollte man das nicht missverstehen. Ironische Übertreibungen wurden in diesem Kapitel absichtlich verwendet, um gewisse Stereotype und kulturelle Unterschiede herauszuarbeiten. Denn eigentlich bin sehr froh, dass meine Reise so gut verlaufen ist und dass ich gesund in Tumbes angekommen bin. Mir gefällt es bisher äußerst gut und bin gespannt auf die nächsten Erfahrungen, die ich hier machen werde.