Erste Erfahrungen

Im Nachhinein fragt man sich manchmal, warum man bestimmte Dinge gemacht hat. Zurzeit frage ich mich auch, warum ich den großen Teller mit Krake, Tintenfisch, normalen Fisch, komisch aussehenden Fisch, unbekanntem Fisch und Muscheln in einem Restaurant gegessen habe. Vermutlich war es Neugier, die ich allerdings bitter bezahlen musste. Sechs Tage zu Hause im Bett liegen und ein kurzer Besuch im Krankenhaus war das Resultat dieses Experimentes. Einzelheiten erspare ich euch an dieser Stelle wohl besser. Obwohl die letzte Woche deshalb wirklich schrecklich war, muss sich sagen, dass ich auch eine wichtige Sache bemerkt habe: Ich bin ein Teil der Familie hier. Das klingt nun vielleicht banal, ist es aber gar nicht, denn es bedeutet sehr viel, Personen zu haben, denen man sich anvertrauen kann, wenn man weit weg von zu Hause ist.

 

Meine Familie besteht hauptsächlich aus vier Personen. Es gibt meinen Gastvater Jorge, meine Gastmutter Elizabeth und meine beiden Gastbrüder Jorge und Javier, die beide jünger sind als ich und noch zur Schule gehen. Des Weiteren wohnt im Haus eine Studentin, die viel im Haushalt mithilft. Wie die meisten Personen, die man hier näher kennenlernt, ist auch meine Familie sehr nett und freundlich. Man muss es sich etwa so vorstellen: Zuerst wird man von den meisten Menschen etwas misstrauisch angeschaut. Sobald man aber etwas ins Gespräch kommt, lernt man sofort die liebenswürdige und herzliche Art der Leute hier kennen.

 

Auch die Bewohner der Stadt begutachten mich immer sehr eingehend, wenn ich durch die Straßen laufe. Ich meine, ich kann es ihnen auch nicht verübeln, denn ich tanze mit meinen 1,94 m, blonden Haaren und blauen Augen schon eindeutig aus der Reihe. Die Tatsache, dass ich hier so auffalle hat allerdings auch einen Nachteil, denn es gibt hier sehr viel Armut und damit verbunden natürlich auch viele Straßendiebe. So ist es mir und einer anderen Deutschen, die ebenfalls in Tumbes wohnt, bereits passiert, dass wir in der Straße von einem Mann verfolgt wurden, der immer dicht hinter uns gelaufen ist. Dabei bin ich mir eigentlich ziemlich sicher, dass er das nicht aus Freundlichkeit gemacht hat. Naja spätestens als wir uns in einen Supermarkt geflüchtet hatten und der Mann immer noch hinter uns her war, war ich mir sicher, dass er uns ausrauben wollte. Zum Glück war das Haus meiner Gastfamilie nur fünf Minuten entfernt und so konnten wir schnell dorthin flüchten. Erst als ich den Eingang zum Haus meiner Gastfamilie durchquert hatte, verlor wohl auch der seltsame Mann von der Straße die Lust, uns weiterzuverfolgen.